Aus dem MAIN ECHO vom 3.3.2019

 

Zu Jahresbeginn wollte sich der Aschaffenburger Landrat Ulrich Reuter (CSU) auf die Frage unseres Medienhauses, ob er bei der Kommunalwahl 2020 erneut kandidiere, noch nicht festlegen. Nun hat er al­so doch an­de­res vor, wie er am Frei­ta­g­a­bend be­kannt­gab.

So stellt sich die Frage nach dem Nachfolger.

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Kreis hat ein (weiblicher oder männlicher) CSU-Kandidat die besten Aussichten. Die Partei will diesen auf einer Aufstellungsversammlung am 17. Mai nominieren. Bis dahin läuft es offenbar auf einen parteiinternen Wettbewerb zwischen dem Alzenauer Bürgermeister Alexander Legler und dem Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Marco Schmitt hinaus.

Kein Selbstläufer

Denn weitere potenzielle Kandidaten mit Aussicht auf Erfolg winken auf Nachfrage unseres Medienhauses am Sonntag mehr oder weniger eindeutig ab: Die Bundestagsabgeordnete Andrea Lindholz aus Goldbach schließt eine Kandidatur aus; der stellvertretende Landrat und Haibacher Bürgermeister Andreas Zenglein meint, es sei »unwahrscheinlich«, dass er am Ende noch auf dem »Personalkarussell« sitze; und der Waldaschaffer Bürgermeister Marcus Grimm sagt, ihm mache die Arbeit als Bürgermeister »sehr viel Spaß« - er wolle in diesem Amt bleiben. Der 45-jährige verheiratete Vater dreier Jungen unterstreicht außerdem, dass er auch als Familienmensch gebraucht werde.

Im Falle Grimms, seit 2004 Rathauschef in Waldaschaff, kommt hinzu, dass sein Posten als Bürgermeister 2020 turnusgemäß mit zur Wahl steht. Seine Wiederwahl gilt als sehr wahrscheinlich, eine Wahl als Landrat hingegen wäre kein Selbstläufer.

Alzenaus Bürgermeister Alexander Legler hat dieses Problem nicht: Seine Amtszeit endet erst 2023. Der 41-jährige verheiratete Vater einer Tochter, seit 2011 Rathauschef, könnte diesen Job also selbst bei einer Niederlage bei der Landratswahl 2020 behalten. Legler macht keinen Hehl aus seinem Interesse, Reuters Nachfolger zu werden: »Dass mein Name in der Partei gefallen ist, darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich sehe darin auch eine positive Anerkennung meiner Arbeit«, sagt er am Sonntag.

Daraus ergebe sich »selbstverständlich« auch eine »Verpflichtung, ernsthaft über eine Kandidatur nachzudenken«. Gerade auch mit seiner Erfahrung als Bürgermeister der größten Kommune im Kreis und als langjähriger Kreisrat könne er sich die Übernahme des Amtes »gut vorstellen«. Legler wörtlich: »Ich traue mir diese Aufgabe auch zu, aber wichtiger ist, dass die maßgeblichen Gremien der CSU mir das zutrauen, darüber ist jetzt intern zu reden.«

Verantwortung übernehmen

Für ihn biete sich die Chance, »auch über meine Heimatstadt hinaus Verantwortung zu übernehmen und Lebensbedingungen im ganzen Raum Aschaffenburg und Alzenau maßgeblich mitgestalten zu dürfen«. Der jeweilige Landrat sei ja gerade auch für Alzenau als Klinikstandort, Schulstadt und Wirtschaftszentrum wichtig. Wie sich eine Kandidatur auf die Kommunalpolitik in Alzenau auswirken könnte, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht, so Legler. Aber er sei sich sicher, »dass die CSU in Alzenau überzeugende personelle Antworten« für eine Nachfolge geben werde. Auf seine Arbeit vor Ort hätte eine Nominierung keinen Einfluss: »Ich werde auf jeden Fall weiter so engagiert und leidenschaftlich arbeiten wie bisher.«

Lindholz kandidiert nicht

Deutlich zurückhaltender reagiert der CSU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Marco Schmitt. Der 44-jährige Schöllkrippener Gemeinderat ist wie Legler Jurist - und hätte als Gruppenleiter bei der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg wie der Alzenauer Bürgermeister bei einer missglückten Kandidatur persönlich wenig zu verlieren.

Der verheiratete Vater dreier Söhne äußerst sich dennoch diplomatisch: »Am vergangenen Freitagabend hat unser Landrat Dr. Ulrich Reuter die CSU-Kreisvorstandschaft und auch mich erstmals darüber informiert, dass er als Landrat bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten wird. Es ist heute zu früh, öffentliche Erklärungen zur Nachfolge abzugeben. Ich bitte um Verständnis, dass ich als Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion intern über die neue Situation beraten werde und mich zuerst gegenüber den zuständigen Gremien der CSU erklären möchte.«

Bundestagsabgeordnete Andrea Lindholz indes sagt am Sonntag eindeutig: »Ich werde nicht kandidieren.« Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Inneres und Heimat sowie Obfrau im Parlamentarischen Kontrollgremium ist inzwischen eine der einflussreichsten Innenpolitikerinnen der Union und setzt offenbar auf ihre Karriere in Berlin. Sie sagt: »Ich war ja sechs Jahre bis 2014 stellvertretende Landrätin. Es ist eine reizvolle Aufgabe. Aber meine verantwortungsvolle Arbeit im Bundestag für die Region und die Aufgabe als Ausschussvorsitzende machen mir aber sehr viel Freude. Wir haben einige weitere gute und geeignete Kandidaten für das Amt des Landrats.«

Der stellvertretende Landrat Andreas Zenglein (63) sagt: »Meine direkte politische Zukunft sehe ich weiterhin in Haibach.« Er stelle sich aber in den nächsten Wochen »gerne in den Dienst« seiner Partei, um am Ende der Diskussionen die »beste Lösung« zu präsentieren. Er könne sich auch vorstellen, den künftigen Landrat über 2020 hinaus als Stellvertreter zu unterstützen.

Doch davor haben im März 2020 die Wähler das Wort. Wen ihnen die Kreis-CSU als Landrat vorschlägt, darauf dürfte auch die politische Konkurrenz gespannt sein. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Wolfgang Jehn aus Großostheim, kündigt jedenfalls an, dass seine Partei auch einen Kandidaten oder eine Kandidatin ins Rennen schicken wird. »Aber für Namen ist es noch zu früh.«

Ähnlich äußert sich Barbara Hofmann, eine der beiden gleichberechtigten Kreisvorsitzenden der Grünen: Noch könne man keine Namen nennen. Aber angesichts der aktuellen politischen Lage, nach dem Volksbegehren für Artenvielfalt und der Erklärung Reuters rechneten sich die Grünen »große Chancen« aus. »Natürlich wollen wir eine Kandidatin oder einen Kandidaten aufstellen.«

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